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Zwei Schwestern ("Frühling")

Hitz, Dora (1856–1924)

um 1893

Slider Bild - CC BY-NC-ND 4.0
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Nathalie Gutgesell veröffentlicht in ihrer Monografie Dora Hitz, Fränkische Künstlerin, rumänische Hofmalerin, europäische Avantgardistin, 2019, Kat. Nr. 62 ein Pastell auf Karton (53,3 x 76,2 cm), das diesem Gemälde als Skizze vorausgeht.

Seit Botticellis „La Primavera“ gilt das Ineinanderfließen von Jahreszeit und Lebensalter als Metapher der blühenden weiblichen Schönheit. In der Salonmalerei des späten 19. Jahrhunderts verengte sich die Darstellung des Einklangs von Naturschönheit und Frauenschönheit auf den Aspekt triebhafter Erotik, wie etwa in Luc Oliver Mersons Gemälde „L' eveil du printemps“ (1884), Merson war einer der Lehrer von Dora Hitz in Paris und sie dürfte dieses Gemälde und vergleichbare Auslegungen dieses Themas gekannt haben, doch sie wählte eine andere Deutung. Ihr Gemälde ist in erster Linie ein Hymnus auf die Jugend, die Anmut und die Schönheit. Die beiden rosenbekränzten Schwestern werfen dem Betrachter zwar einen flüchtigen und vielleicht auch etwas koketten Blick zu, eine Mimik, die die Größere durch ihre in die Seite gestemmte Linke unterstreicht, doch in ihrer wie selbstverständlichen Umarmung sind die Mädchen zugleich ganz bei sich. Mit dem Farbenzauber des lebhaften Kolorits und dem weichen, zerfließenden Pinselstrich steht das Bild an der Schnittstelle von Impressionismus und Jugendstil. Sentiment, Poesie und ästhetisches Raffinement sind zum allgemeinen Traum ewiger Jugend verwoben.

Vermutlich handelt es sich bei unserem Bild um eines der beiden Gemälde, die 1893 auf der Großen Berliner Kunstausstellung zu sehen waren. In der geschwisterlichen Umarmung, dem vertrauten Ergreifen der Hände und in der antikisierenden Gewandung paraphrasiert Dora Hitz die berühmte Figurengruppe der Prinzessinnen Luise und Friederike von Preußen von Johann Gottfried Schadow. Diese war rund 90 Jahre nicht zu sehen und fast vergessen, bis sie 1893 in der Bildergalerie des Berliner Schlosses einen neuen Platz fand, etwa zur gleichen Zeit, in der Dora Hitz in Berlin ansässig wurde. Verkörpern die Prinzessinnen von Schadow in ihrer aus der Antike hergeleiteten Statuarik in vollkommener Weise die ästhetischen Ideale von Grazie und Anmut, so treten die Schwestern von Dora Hitz in ihren luftigen Gewändern aus dem grünen Blütenlaub hervor und versprühen ihre Lebensfreude frei von jeder Sentimentalität. Es handelt sich um Geschöpfe, die von allen gesellschaftlichen Fesseln befreit sind, eine Ausdrucksweise, die sich auch in Schadows Prinzessinnengruppe andeutet.
Bereitstellende Einrichtung:
Inventarnummer:
Hitz-1
Objektbezeichnung:
Material:
Technik:
Öl
Maße:
Gesamt: Höhe: 100 cm; Breite: 147 cm
Signatur/Kennzeichnung:
signiert
Wo: unten rechts
Was: Dora Hitz

Herstellung:

Ort/Datierung:
Berlin, um 1893

Zugriff und Nutzungsmöglichkeiten

Zitierlink:
https://www.digicult-verbund.de/item/DE-4261/lido/dc00000274
Lizenz Metadaten:
CC BY-SA 4.0
Ins Portal übernommen am:
21.04.2026 22:28:23
Zuletzt veröffentlicht am:
21.04.2026 22:28:22
Erstellt am:
27.07.2024 13:35:39
Zuletzt geändert am:
21.04.2026 23:28:16
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