Großherzog Ernst Ludwig von Hessen hatte 1899 in Darmstadt die Künstlerkolonie Mathildenhöhe gegründet. Im Jahre 1911 berief er den in Deutschland bekannten Bernhard Hoetger als Professor an die Kolonie. Die Figuren „Liebe“ und Neid“ gehören zu einem 1911/12 entstandenen Majolika-Zyklus „Licht- und Schattenseiten“. Hell und Dunkel, Licht und Schatten, Gut und Böse – Hoetger thematisiert in seinen Kunstwerken immer wieder das enge Zusammenspiel und die Bedeutungskraft dieser Gegensatzpaare zueinander. Das eine kann ohne das andere nicht existieren. Ohne Schatten kein Licht, ohne Dunkelheit keine Wahrnehmung von Helligkeit.
Zu den Repräsentanten der Lichtseite zählten sieben meist weibliche Figuren (Licht, Liebe, Wahrheit, Milde, Güte, Glaube und Hoffnung), gegenüber korrespondierten dazu die Schattenseiten Habgier, Wut, Hass, Schatten, Geiz, Rache und Hinterlist. Die 15 Figuren aus farbig glasiertem Ton, die in mehreren Farbfassungen gefertigt wurden, gelten als Meisterwerke des deutschen Expressionismus und führen die Vielfältigkeit der menschlichen Emotionen in einem sich spiegelnden Rhythmus vor Augen. Die Majoliken erzählen von Liebe, Wahrheit und Hoffnung auf der einen Seite und von Wut, Habgier und Rache auf der gegenüberliegenden Seite. Im Zentrum steht die Figur Sieg. Stellt sie den Sieg des Lichtes über die Dunkelheit dar? Den Sieg des Guten über das Böse?
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