Eine sehr spezielle Serie von Bildern Peter Heinigs begann er Ende der 70er, Anfang der 80er Jahren. Unter der Werkgruppe „Rubens-Paraphrasen“ malte er – in Anlehnung an klassische Motive von Rubens – mehrere ähnlich gestaltete Bilder mit Titeln wie „Raub der Sabinerinnen“ oder „Raub der Töchter …“. Dabei wesentliches Element war die Verfremdung durch zeitliche Portation in die Moderne. In der klassischen Variante von Rubens geht es um die Entführung der Töchter Hilaeira und Phoibe von König Leukippos durch die Zeus-Söhne Castor und Pollux. Bei Peter Heinig werden die Protagonisten dadurch „paraphrasiert“, dass die beiden Räuber statt auf Pferden reitend auf Motorrädern daherkommen und sich der Frauen bemächtigen, die auch bei Heinig hier als nackte Gestalten dargestellt werden. Dieses Werk hier ist als eher ovales Tondo gefasst, eine Zeichnung mit Bleistift, Kugelschreiber und Tusche. Sie zeigt die genannten Personen als Motorrad fahrende, behelmte Männer in ihrer Lederkluft auf schweren Maschinen, die frontal im Bild vorn auf der Fahrbahn stehen. Drei weibliche, nackte Gestalten werden zwischen ihnen hin und her gezerrt, dahinter die Landschaft, wie ein Wald mit vollem Mond am Himmel darüber.