Der Becher besitzt einen flach geschliffenen, massiven Boden mit ausgekugeltem Abriss in der Mitte, der von konzentrisch angeordneten Blütenblättern gesäumt wird. Der Innenboden ist spitz nach unten ausgeformt. Die Wandung läuft nach oben zum Trinkrand hin leicht konisch auseinander. Sie ist nahezu flächenfüllend mit einer geschnittenen umlaufenden Landschaftsdarstellung verziert. Zu sehen ist eine Hirschjagd zwischen Bäumen, Büschen und Felsen, an der Jäger mit Speer zu Fuß, mehrere Reiter und Hunde teilnehmen. Im Hintergrund ist eine Burg zu sehen. Auf gegenüberliegenden Seite sind Hasen, Enten und ein Storch in der Landschaft zu sehen, die im Hintergrund wiederum durch eine Burg auf einem hohen Felsen (möglicherweise die Burg Kynast?) liegend bekrönt wird.
Der Schnitt erscheint einem Becher ähnlich, der sich im Landesmuseum Württemberg Stuttgart (Inv. 1991-222) befindet, vgl. Stefania Żelasko: Barock und Rokoko im Hirschberger Tal. Stein- und Glasschnitt 1650–1780. Hrsg. v. Georg Höltl und Peter Höltl, Glasmuseum Passau. Passau 2014, Nr. 45 (Preußler Glashütte Weißbach, Schreiberhau, um 1690 – 1700).
Der Formtyp spricht für eine Entstehung in Schlesien zu Beginn des 18. Jahrhundert, vgl. Justyna Wierzchucka/Martin Kügler: Barockes Glas aus Schlesien. Ślaskie szkło barokowe. Hrsg. von Gabriela Zawiła und Markus Bauer. Katalog der Bestände des Riesengebirgsmuseums in Hirschberg und des Schlesischen Museums zu Görlitz. Görlitz/Zittau 2016, S. 64 (Schlesien, 1. Viertel 18. Jahrhundert; Żelasko 2014, Nr. 57, 59, 60 (Preußler Glashütte Weißbach, Schreiberhau, Anfang 18. Jahrhundert).
(Sabine Tiedtke)