Der Pokal steht auf einem runden Fuß mit umgeschlagenem Rand. Mittig setzt der Schaft mit einer Scheibe an, auf der ein Hohlbaluster und darüber eine optisch geblasene gedrückte Hohlkugel zwischen zwei weiteren Scheiben angebracht sind. Die unten gerundete Kuppa läuft nach oben trichterförmig auseinander. Ihre Wandung ist mit einfach geschnittenem Dekor versehen. Den Trinkrand ziert eine umlaufende Blattranke. Darunter ist ein auf einem Zweig sitzender Vogel (Adler?) mit seitlich ausgebreiteten eingeschnitten. Die restliche Wandung nimmt der mit länglichen Blättern gestaltete Zweig sowie eine Blume mit dreiblättrigen Blüten ein.
Gläser mit vergleichbar einfachem Schnittdekor werden in das Riesengebirge (Böhmen oder Schlesien) verortet, vgl. z. B. Stefania Żelasko: Barock und Rokoko im Hirschberger Tal. Stein- und Glasschnitt 1650–1780. Hrsg. v. Georg Höltl und Peter Höltl, Glasmuseum Passau. Passau 2014, Nr. 34 (Schreiberhau, 1655-1660), Nr. 36 (Schreiberhau, 1667-1674); Georg Höltl: Das Böhmische Glas. 1700–1950 (7 Bde.). Bd. 1: Barock. Rokoko. Klassizismus. Passau 1995, Nr. I.2-I.5 (Böhmen, um 1680-1690).
Der Formtyp ist eher selten zu finden, grundsätzlich wurden aber auch in böhmischen Hütten Gläser hergestellt, deren Schaft Hohlbaluster beinhalten, vgl. Pieter C. Ritsema van Eck: Glass in the Rijksmuseum (Catalogue of the Decorative Arts in the Rijksmuseum Amsterdam 2). Zwolle 1995, Nr. 471 (Böhmen, 1700/25), Nr. 479 (Böhmen, 1725/50).
(Sabine Tiedtke)